Donnerstag, 23. März 2006

09. Die Heilanstalt mit dem Dachschaden

»Woher kommen Sie denn …?« Ruckdäschel starrte Sardanapal Wurstkübl entsetzt an. Der lebte sichtlich auf: »Von da hinten!« grinste er und wies steif wie ein Turmdrehkran gen Felswand. ›Noch so einer‹, dachte Ruckdäschel und begann, im Geiste die Quarkkeulchen- und Rote-Beete-Saft-Vorräte durchzugehen. Schlimm genug, daß Mehlhorn noch mitgekommen war, aber er hätte sie sonst verpfiffen. Seine Gedanken schwoffen zurück – nach Radebeul – in die Heilanstalt »Waldeslust«. Er hatte immer »Waldesluft« gelesen, da er der Frakturschrift nicht mächtig war. »Waldesluft mit Joghurt«. »… mit Joghurt« hatte er sich selbst ausgedacht und hinter die großen Holzbuchstaben der Hauswandbeschriftung gemalt. Selbstverständich mit Joghurt! Jeden Tag gab es dort früh, mittags und abends Joghurt, und eines Tages war ein Insasse namens Schmeierlein komplett ausgerastet. Er warf alle Joghurtbecher (Geschmacksrichtung Wacholder) aus dem Fenster des Speisesaals im dritten Stock; einige trafen Frau Tömpke, die Reinemachfrau, andere Herrn von Tasselrock, den Wildbesteller und viele einfach nur die Wiese. Da wegen Dachschadens eine große Leiter am Haus lehnte, war Ruckdäschel mit einigen Bechern nach oben gekrabbelt und hatte die seiner Meinung nach notwendige Ergänzung gemacht. Wie viele andere war auch er an diesem Abend reif für die Badewanne.

1 Kommentar:

Sascha hat gesagt…

Schon lange nichts geschrieben. Dabei wird die Sache langsam unheimlich. Ein krasses Kapitel jagd das darauffolgende und dieses jagd daraufhin wieder das nächste und so weiter, und so fort...
Hut ab. Ein Lob sei Dir gewisss!

Der Meisenmann aus'm Bunker!