Sonntag, 19. März 2006

05. Das wandelnde Fernsprechbuch

Der Rastplatz, den unsere drei Titelhelden als solchen erkoren hatten, lag auf einer geräumigen Fläche zwischen einem steinernen und einem grasbewachsenen Hügel. Es war später Nachmittag und die Landschaft begann Farben anzunehmen, die bei Sonnenlicht undenkbar gewesen wären. Das Thermometer zeigte zwei Grad minus und von Ostnordost pfiff ein altersweiser Wind seine kummervollen, wie auf Knochenflöten geblasenen Melodeien. Siebenschrot, als letzter draußengeblieben, war ein vierschrötiger Kerl mit einem Kindergesicht. Furcht kannte er nicht, aber sämtliche Telefonnummern Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Sein Gedächtnis war photographisch, jedoch soziale Kontakte waren ihm fremd. Man hatte ihn statt eines Telefonbuches aus dem Heim mitgenommen. Er stocherte mit einem Plasteschäuflein zwischen den Quarkkeulchen herum, damit sie über dem Feuer der Spiritustablette wenigstens schön gleichmäßig verkohlten.

1 Kommentar:

Sascha hat gesagt…

Cool wie immer, Alter! Wird bestimmt mal ein Buch. Hatte eigentlich gerade die Farbtropfen veröffentlicht, bis mir dann gerade noch einfiel, dass das wahrscheinlich keine so gute Idee ist. Naja. Deshalb nur'n Foto. Und die Farbtropfen per Mail :)

Bin übrigens von Montag bis Mittwoch in Mailand!!!
Bis dann also!

Dein Bunki