Es hatte keinen Sinn, die Suche auf den nächsten Morgen zu verschieben, denn an den hiesigen Lichtverhältnissen würde sich voraussichtlich nichts großartig ändern. Die vier Uran-Leuchtflaschen ließ man zurück, sie hatten ihren Dienst schlecht verrichtet und waren hier als eine Art Leuchtboje für einen etwaigen Rückzug gerade richtig. Also klaubten sie nur ihre Habseligkeiten zusammen, schnappten sich Knochenfackeln und stiefelten los. Zurück konnte Mehlhorn kaum gegangen sein – den schmalen Grat hatte er nur mit klappernden Zähnen und Schweißausbrüchen bewältigt. Freiwillig hätte er also nie diesen Weg eingeschlagen, so blieb nur die andere Richtung. Bald erreichte die kleine Mannschaft den runden Raum. Ratlos glitten die Blicke über die unzähligen Öffnungen. »Wir müssen nach Spuren suchen!« bahnte sich ein Geistesblitz den Weg aus Wurstkübls Sprechöffnung. »NUUN, leuchte mal – zuerst hier am Boden!« Im feinen Staub zeichneten sich tatsächlich Fußspuren ab. Doch in welcher Vielfalt! Manche stammten von nackten Füßen in Größe 54, andere offenbar von Höhlentigern oder neunköpfigen Drachen, darin war man noch uneins. Nur mühsam konnte man hie und da Mehlhorns Turnschuhe der Marke »Space Captain Meier« herausfiltern.
Mittwoch, 10. September 2008
Montag, 8. September 2008
21. Wehlhong? Mehlhorn!
Als erstem wurde Ruckdäschel bewußt, daß Mehlhorn verschwunden war. Er wollte ihn nämlich soeben darum bitten, ihm einen Span der Alu-Zeltstange zwischen den Zähnen hervorzupolken, der sich im Zuge des gierigen Herunterschlingens der gerösteten Quarkkeulchenfragmente dorthin zurückgezogen hatte. Nun stapfte er, den Finger im Mund und einen langen Speichelfaden am Kinn, um das Lager herum und fragte fortwährend ins Entfernte hinein: »Wehlhong? – Wehlhong? – Wehlhong? – Wehlhong? …« Schließlich stutzte er: »Wehlhorn? Meeehlhooorn! – Autsch!« Er hatte sich soeben beim Rufen selbst von innen die Wange aufgeschnitten, denn der Span ragte distal zwischen seinen Backenzähnen hervor. Das Blut troff am Speichelfaden entlang auf den Höhlenboden, der diese belebende Flüssigkeit gierig aufsog und sich nur sehr verhangen um Jahrtausende zurückerinnerte, als hier ähnliche Fluide zur allgemeinen Bodenbeschaffenheit zählten. Jetzt wurden auch die anderen aufmerksam. Man sah unter jeden Stein, rief, betete und weinte – aber vergeblich: Mehlhorn blieb verschwunden.
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Mittwoch, 27. August 2008
20. Heimwehgedanken, Gedankengänge und Gänge
Nun saß Mehlhorn da und zog ein Gesicht wie 5. Weltkrieg auf Nitrobasis. War seine Entscheidung, das »traute Heim« zu verlassen, richtig gewesen? Könnte er nicht in diesem Moment mit frischer Unterwäsche im Speisesaal sitzen und Joghurt löffeln? Freilich, rechts neben ihm würde der dicke Ewald Thompsen hocken und sich mit seiner Sandmännchen-Zahnbürste den Lactobacillus bulgaricus gleichmäßig im Gesicht verteilen. Links von ihm säße apathisch der Grüne Klaus und würde urplötzlich nach vorn in das Kompottschüsselchen kippen, nur um für 3 Sekunden zu erwachen und darauf wieder in Regungslosigkeit zu verfallen. Ihm gegenüber befände sich der Knochenkasper, ein schrecklich dürrer Kerl, der immerfort hin und her schaukelte und dabei starr geradeaus grinste. Hinter ihm würde Schwester Trautgard entlangdragonern und nach billiger Seife riechen. Doch waren ihm diese Vorgänge vertraut. Hier hingegen, in dieser steingewordenen Ungewißheit mit aufgebrauchten Lebensmitteln zu sitzen, umgeben von Wesen, die scheinbar klüger waren als er … Mehlhorn griff sich einen glimmenden Knochen und erhob sich aus dem Schneidersitz wie ein Wurm, der sich erfolglos aufzuknoten versucht. Als er endlich stand, beschloß er, ein wenig das Terrain zu erkunden, indem er sich schlurfend an einer Wand vorwärtsbewegte. Er hatte schon viel über Labyrinthe gelesen und wußte, daß man nie die Seite eines Ganges wechseln durfte, wenn man es nicht gerade darauf anlegte, sich zu verlaufen. Plötzlich stand er in einem runden Raum. Und wenn ich rund sage, meine ich auch rund. Er sah aus wie ein gepunkteter Ball von innen. Nur, daß statt der Punkte nach allen möglichen Seiten -zig Gänge abzweigten. Grübelnd stand er lange Zeit zwischen den Löchern.
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Sonntag, 24. August 2008
19. Besinnliches dank Duftgas oder . . . . . Die Stimme der Stammväter
Die verkokelten sterblichen Überreste der Höhlenbären verbreiteten einen angenehmen Duft in der miefigen Grotte, der teilweise an »Neugrüne Tara-Räucherstäbchen« erinnerte, welche Frau Tömpke stets bei aufkommenden Depressionen und Unterleibsbeschwerden zu entzünden pflegte. Mehlhorn dachte zurück ans Heim, wo jetzt alle Verbliebenen bestimmt beieinander saßen und wacholderjoghurtlöffelnd der drei Entkommenen gedachten. Als Ruckdäschel und Siebenschrot damals heimlich durchs Dachfenster abhauen wollten, hatte er sich ihnen mutig in den Weg gestellt. Er war gerade dabeigewesen, auf dem Dachboden einige Kartons nach dem MOSAIK-Heft* zu durchsuchen, das ihm bei seiner Einweisung abgenommen und nach oben verfrachtet worden war. Er war in diesem Heft (Nummero 1) erst auf der Seite 18 angelangt und wollte jetzt unbedingt wissen, wie den drei Digedags die Flucht aus dem Sultanspalast gelang und ob sie tatsächlich nicht durch den Harem rennen würden. Während Mehlhorn so den Weg verstellte, bekam er jedoch plötzlich Lust, es den drei Comic-Kobolden aus seinem bunten Heftchen gleichzutun und schlug vor, mitzukommen. Ja, er drohte sogar, im Falle der Nichteinwilligung sofort seinen berüchtigten Sirenenschrei loszulassen, der seinen Vorfahren, die wohl einst Nacht- oder Turmwächter gewesen waren, schon den Namen Mehlhorn eingebracht hatte. Denn jedesmal, wenn sie ins Horn stießen, war dieses zu feinem Mehl zerfallen — so destruktiv wirkte die Stimme seiner Stammväter schon. Körperlichen Schaden fürchtend, hatten Siebenschrot und Ruckdäschel eingewilligt und den strammen Burschen mit auf die Reise genommen.
* Das Heft, das sich in Mehlhorns Besitz befindet, ist ein in Sammlerkreisen außerordentlich begehrtes Stück. Handelt es sich hierbei doch um das einzige verbliebene Exemplar der 1. Auflage von 1948! Damals war der Lieferwagen, mit den frischen Heften aus der Druckerei kommend, dummerweise an einer Tankstelle explodiert, weil der russische Unteroffizier, der das Fahrzeug lenkte, unbedingt Machorka rauchen mußte. Das einzig erhaltene Heft war jenes, welches einer der Drucker heimlich nach Dienstschluß mitnahm — dies war Mehlhorns Cousin! Unser Freund erhielt das feine Exemplar zum Geburtstag und wartete verzweifelt auf die Ausgabe Nr. 2, denn er hatte seine Digedags so recht ins Herz geschlossen. Doch muß er sich aufgrund der angespannten Lage auf dem Papiermarkt sehr gedulden, denn erst Weihnachten 1955 kann das erste MOSAIK-Heft nachgedruckt und die Reihe fortgesetzt werden — und wir schreiben jetzt erst das Jahr 1949 …! Näheres dazu entnehme der interessierte Laie bitte der Broschüre »Das Mysterium um Heft 1« von Prof. Thorwald Kremser, Geierschnabel Verlag 2008.
* Das Heft, das sich in Mehlhorns Besitz befindet, ist ein in Sammlerkreisen außerordentlich begehrtes Stück. Handelt es sich hierbei doch um das einzige verbliebene Exemplar der 1. Auflage von 1948! Damals war der Lieferwagen, mit den frischen Heften aus der Druckerei kommend, dummerweise an einer Tankstelle explodiert, weil der russische Unteroffizier, der das Fahrzeug lenkte, unbedingt Machorka rauchen mußte. Das einzig erhaltene Heft war jenes, welches einer der Drucker heimlich nach Dienstschluß mitnahm — dies war Mehlhorns Cousin! Unser Freund erhielt das feine Exemplar zum Geburtstag und wartete verzweifelt auf die Ausgabe Nr. 2, denn er hatte seine Digedags so recht ins Herz geschlossen. Doch muß er sich aufgrund der angespannten Lage auf dem Papiermarkt sehr gedulden, denn erst Weihnachten 1955 kann das erste MOSAIK-Heft nachgedruckt und die Reihe fortgesetzt werden — und wir schreiben jetzt erst das Jahr 1949 …! Näheres dazu entnehme der interessierte Laie bitte der Broschüre »Das Mysterium um Heft 1« von Prof. Thorwald Kremser, Geierschnabel Verlag 2008.
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Sonntag, 20. Januar 2008
18. Paläontologische Rüpeleien

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Freitag, 18. Januar 2008
17. Streulicht erfreut nicht

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Montag, 14. Januar 2008
16. Helligkeit ohne Lampe

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Sonntag, 13. Januar 2008
15. Papier war nicht geduldig

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